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2014|01|26  Das neue Jahr ...

... ist schon fast vier Wochen alt, und hier prangte bis eben noch immer das beschauliche Redaktionsfoto vom Jahresende − dabei sind seither satte vier neue Golkonda-Bücher erschienen. Was daran liegt, dass ich nicht nur mitten in einer Übersetzung mit äußerst knapper Deadline stecke und mich nebenher abmühe, ein halbes Dutzend Bücher noch rechtzeitig für die Leipziger Buchmesse Mitte März in die Druckerei zu bekommen: Die ganze vergangene Woche war ich in Wannsee auf einem Übersetzerworkshop, der mich zwölf Stunden am Tag auf Trab gehalten hat, sodass ich abends bzw. nachts gerade noch die anstehenden Rechnungen schreiben und ein paar Mails beantworten konnte. Ab morgen tritt jedoch wieder Normalität ein, weshalb ich noch rasch auf die oben erwähnten Neuheiten zum Jahresbeginn hinweisen möchte.

         

Mit diesen beiden Bänden liegen einerseits die wirkungsmächtigste Utopie des 19. Jahrhunderts und andererseits ihr direkter Gegenentwurf in angemessenen Ausgaben vor. Beide Bände bringen klassische Übersetzungen (von Clara Zetkin sowie von Natalie Liebknecht & Clara Steinitz), die mit ausführlichen Einführungen versehen und − im Falle von Morris − um fehlende Passagen ergänzt wurden. Besonders spannend finde ich die im Anhang abgedruckten Rezensionen von Morris über Bellamy bzw. von Bellamy über Morris. Fast könnte man sagen, die beiden Bücher führen einen Dialog miteinander. Jedenfalls eine gute Gelegenheit, diese Klassiker erstmals oder neu zu entdecken.

Mit Band 1 von Der lachende Mann von Victor Hugo eröffnen wir unsere Reihe mit klassischen Übersetzungen klassischer Werke, die demnächst mit dem Udolpho von Ann Radcliffe fortgesetzt wird. Dieser Roman ist eine beeindruckende Mischung aus spätromantischer Fabulierlust, bedrückendem sozialen Realismus und expressionistischer Wortgewalt, wie ich ihr noch nie sonst begegnet bin. Und die Übersetzung von Georg Büchmann mag zwar in unserer modernen Wahrnehmung hin und wieder »knirschen«, aber sie setzt den Text mit einer solchen Wucht um, dass es einen manchmal fast vom Stuhl haut. Ein Meisterwerk!

Und last, not least ein Sammelband mit vier längeren und zwei kürzeren Erzählungen von Geoff Ryman, Pol Pots wunderschöne Tochter. Der darin enthaltene Kurzroman »Das unentdeckte Land« gehört zu meinen Lieblingstexten überhaupt und steht schon seit der Verlagsgründung 2010 auf meiner Wunschliste. Ergänzt um drei neuere Storys, die sich mehr oder weniger offensichtlich um den Themenkomplex Kambodscha drehen, sowie um zwei repräsentative Erzählungen aus früheren Schaffensphasen ist dieses Buch ein Fest für Freunde stilistisch wie politisch anspruchsvoller Prosa. Und wer unsere anderen Storybände kennt, nicht zuletzt den ersten von Ted Chiang, weiß, dass wir da eine recht hohe Messlatte anlegen ...

Speaking of which − der zweite Storyband von Ted Chiang, Das wahre Wesen der Dinge, ist in der Druckerei und sollte Mitte/Ende Februar erhältlich sein. Davon und von den anderen lesenswerten Neuheiten der nächsten Monate erzähle ich hier demnächst mehr ...