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2013|12|31  Zum Jahresende ...

... noch ein eher besinnliches Foto − nein, nicht von mir, sondern von Andymon-Chef Ralf Neukirchen in seiner Gelehrtenklause in Werder, wie er gerade damit beschäftigt ist, den Text von Henrich Steffens' Autobiographie Was ich erlebte Satz für Satz, Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe mit der Vorlage abzugleichen (eine Sisyphos-Arbeit, ganz ohne Frage, aber glücklicherweise hat Ralf samtpfotige Unterstützung). Dieses zehnbändige Editionsprojekt startet bei uns im März, herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Bernd Henningsen.

Ich selbst habe, pünktlich zu Silvester, zwei größere Leseprojekte abgeschlossen, einmal die sechsbändigen Barchester-Chroniken von Anthony Trollope, vielleicht mein Lieblingsautor im Augenblick, und die zweibändige Geschichte der unheimlichen Literatur Unutterable Horror von S. T. Joshi, ein sehr informatives, aber in seinen geschmäcklerischen Urteilen fast schon infantiles Werk des großen Lovecraft-Experten.

Und damit möchte ich das Jahr beschließen − mögen wir uns 2014 gesund und guter Dinge wiedersehen und wiederlesen ...

 

2013|12|24  Ein Werk von vielen ...

... besser lässt sich das Projekt Golkonda gar nicht beschreiben: Über 100 Leute haben im Verlauf der letzten vier Jahre in irgendeiner Form an unseren Büchern mitgearbeitet, angefangen natürlich bei den Autoren, den ersten und wichtigsten in der Ereigniskette, über Agenten, Übersetzer, Herausgeber bis hin zu den Lektoren und Korrektoren. Dreiundvierzig Bücher werden wir bis Ende des Jahres produziert haben (eines steht noch aus), in erster Linie phantastische Romane und Erzählungen, aber auch Krimis und unsere ersten Klassikerausgaben. Wow.

Was soll ich sagen − es ist mir eine Freude und eine Ehre, mit so vielen begabten Damen und Herren zusammenzuarbeiten. Ohne sie wäre dieser Verlag noch immer ein Traum und denkbar weit von der Verwirklichung entfernt. Dabei bitte ich zu bedenken, dass Golkonda zwar ein ökonomisch sehr genau kalkulierendes Unternehmen ist, dass ebenso Honorare und Druckkosten bezahlt wie große Verlage, aber gerade bei den Übersetzungen und der Textbearbeitung, bei Satz und Gestaltung vom sehr mäßig bezahlten bis ehrenamtlichen Engagement der Beteiligten lebt. Das ändert sich allmählich, aber seien wir ehrlich − ein Programm, das Wert auf ein solches Niveau legt (oder sich das zumindest einbildet), wird stets auf die breite Unterstützung begeisterter Mittäter angewiesen sein.

Und deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken, mit denen wir − das Golkonda-Kernteam − im Laufe der letzten Jahre zu tun hatten. Wir sind, natürlich, der Meinung, dass dieser Verlag etwas Besonderes ist. Umso wichtiger ist, dass wir von außen in dieser Meinung tatkräftig bestätigt werden, nicht zuletzt auch von einer wachsenden Schar treuer Leser, die so manche Kapriole mitmachen, die von einem Genre-Verlag eigentlich nicht zu erwarten war. Danke!

Wir wünschen Euch und Ihnen erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr.

 

2013|12|15  Erfolg ist anstrengend ...

... habe ich diese Woche dem (sehr netten) Sachbearbeiter unserer Druckerei gemailt, und das hatte einen Grund: Am Freitag (den 13.) wurde die 3. Auflage des Storybandes Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes von Ted Chiang ausgeliefert, und sie ist bereits wieder zu 90 Prozent vorbestellt, und das innerhalb von 14 Tagen. Also müssen wir eine 4. Auflage in Auftrag geben. Und bis morgen entscheiden, wie viele Exemplare wir dieses Mal drucken lassen. Und hoffen, dass es schnell geht.

Aber darüber wollte ich heute eigentlich gar nicht reden. Sondern darüber, dass mir mein Kollege Hardy Kettlitz während eines Telefongesprächs diese Woche mit sehr ernster Stimme erklärt hat: »Hannes, wie machen zu viele Bücher. So geht das auf Dauer nicht weiter.« Und wenn ich mir anschaue, was gerade in Produktion ist, geschweige denn, was noch alles geplant ist, muss ich sagen: Er hat recht. Für einen Kleinverlag, der aus dreieinhalb Festplatten in Berlin und einer in Graz besteht, gehen wir an unsere Grenzen. Oder haben sie längst überschritten.

Zur Erinnerung: Golkonda gibt es seit 2010. Im ersten Jahr haben wir fünf Bücher produziert und zwei von anderen Verlagen (Shayol und Klett-Cotta) übernommen. Im zweiten Jahr waren es zehn Bücher. 2012 dann neun. Und dieses Jahr werden es, zusammen mit den dreien, die noch vor Weihnachten fertig werden sollen, neunzehn sein. Darunter so gestalterisch aufwändige Projekte wie die Neuausgaben der ersten beiden Hiobs Spiel-Bände von Tobias O. Meißner. Zwei Bände der limitierten Strugatzki-Edition. Die komplette Sardor-Trilogie von Thomas Ziegler, zu Ende geschrieben von Markolf Hoffmann. Zwei neue Bücher von Joe R. Lansdale. Unsere ersten beiden Klassiker-Bände.

Ein Überblick gefällig?

Januar Ziegler, Sardor 1: Der Flieger des Kaisers
Februar Strugatzki, Gesammelte Werke 4
Februar Meißner, Hiobs Spiel 1: Frauenmörder

         

März Delany, Dunkle Reflexionen
März Strugatzki, Kapitän Bykow
März Hamilton, Captain Future 2: Erde in Gefahr
März Walton, In einer anderen Welt
März Lansdale, Straße der Toten
März Slawig, Flugverbot

Juni Ziegler, Sardor 2: Am See der Finsternis
Juli  Ziegler & Hoffmann, Sardor 3: Der Bote der Gehörnten
August Meißner, Hiobs Spiel 2: Traumtänzer

         

September Anthologie Bundesblüthen
September Lansdale, Blutiges Echo
Oktober Strugatzki, Gesammelte Werke 5
November Sembten, Maskenhandlungen

Noch im Druck:
Dezember Bellamy, Rückkehr aus dem Jahre 2000
Dezember Morris, Kunde von Nirgendwo
Dezember Hugo, Der lachende Mann 1

Kein Wunder, dass uns der Schweiß auf der Stirn steht und wir uns fragen, wo die Monate geblieben sind. Ich werde jedenfalls die Zeit zwischen den Jahren nutzen, mir ein paar Gedanken zu machen, wie sich der Termindruck ein wenig entzerren lässt (während ich die tausend Seiten der aktuellen Fantasy-Übersetzung überarbeite, die Sara und ich für die Hobbit Presse angefertigt haben, und ein dickes Buch über Bienen lese, um mich auf meine nächste Übersetzung für Tropen vorzubereiten).

Im Januar werde ich dann eine Woche auf einem international besuchten Übersetzerworkshop verbringen, und im März steht dann die Buchmesse in Leipzig bevor, was sich dieses Jahr ein wenig kitzlig gestalten wird, denn Ende März soll unser zweiter Nachwuchs eintreffen, und ich bezweifle, dass ich mich da im Vorfeld sehr entspannt befinde − wir werden sehen.

So oder so − wir werden 2014 wieder eine ganze Reihe spannender Neuheiten publizieren, darunter zahlreiche Bücher von Autoren, die uns bereits seit Längerem verbunden sind (Chiang! Delany! Lansdale! Strugatzki!), und natürlich einige Überraschungen (Lovecraft! Ryman! Tieck! Wagner!), nur dass eben manches etwas länger dauert als geplant. Dafür bitten wir um Geduld und Verständnis − wir möchten unbedingt vermeiden, dass das Projekt Golkonda kurz- oder mittelfristig an der Modekrankheit »Burnout« zu Grunde geht. Bisher gibt der Erfolg uns recht, doch nun gilt es, den Verlag langfristig stabil zu halten.