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2013|11|25  Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes ...

... von Ted Chiang wurde gestern Abend im ARD von Denis Scheck in seiner Sendung Druckfrisch minutenlang mit allerhöchstem Lob bedacht. Ich kann mich nicht zurückhalten, ausführlich zu zitieren:

»Als allererstes heute möchte ich Sie auf ein Buch aufmerksam machen, das zum erzählerisch Erstaunlichsten, intellektuell Aufregendsten und ästhetisch Innovativsten zählt, was mir in den letzten Jahren unter die Augen gekommen ist. (...) Diese Geschichten haben aber alles an Preisen eingeheimst, was es in den USA für diese Form zu gewinnen gibt (...) Man kann diese Erzählungen Science-Fiction, Fantasy oder meinetwegen Fantastik nennen. Ich nenne sie Literatur. Seit Jorge Luis Borges hat niemand den Bereich des Sagbaren eindrücklicher erweitert als Ted Chiang. Wenn es ein Kennzeichen großer Kunst ist, dass sie uns die Wirklichkeit mit anderen Augen sehen lässt, dann ist dieses Buch große Kunst.«

Uff! Dem ist nun wirklich nichts hinzuzufügen ...

 

2013|11|24  Mitten im Jahresendspurt ...

... finde ich kaum noch Zeit für dieses Blog. Im Moment rasen acht Golkonda-Neuheiten über die Zielgerade, sind also entweder bereits im Druck oder in der Fahnenkorrektur oder im Satz. Ein Teil davon wird noch dieses Jahr erscheinen (Bellamy, Morris, Hugo), andere dann im Januar/Februar (

zählen Chiang und Ryman). Wie immer waren wir viel zu optimistisch, was die Erscheinungstermine betrifft, aber da wir auf keinen Fall Kompromisse bei der Qualität machen möchten, dauert es eben manchmal etwas länger.

         

Zu allem Überfluss hatte ich seit meinem Ausflug nach Dessau (siehe den letzten Blogeintrag) noch vier weitere Termine außerhalb von Berlin, was natürlich nicht unbedingt dazu beigetragen hat, dass ich am Schreibtisch vorwärtskam. Am Samstag, dem 9. 11., wurde auf dem Penta-Con in Dresden der Kurd Laßwitz Preis verliehen, und da Golkonda viermal nominiert und zweimal siegreich war, wollten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Ebenfalls anwesend waren, unter zahlreichen anderen SF-Profis und -Fans, Dorothea Kallfass, die den Preis für die beste Übersetzung einheimste, sowie mein alter Freund Dietmar Dath, der zum zweiten Mal für den besten Roman ausgezeichnet wurde. Gewonnen haben wir übrigens mit Büchern von Paolo Bacigalupi und Ted Chiang für die beste Übersetzung und das beste ausländische Werk, was angesichts der Konkurrenz vor allem aus größeren Verlagen m.E. ein schöner Erfolg ist.

         

Am 15. 11. ging es dann für ein langes Wochenende in den Ruhrpott, wo am Freitagabend Dr. Nikolaus Gatter im Museumscafé in Siegburg sein Editionsprojekt der Tagebücher von Karl August Varnhagen von Ense vorstellte, vieleicht der größte »Brocken«, den Golkonda sich bisher vorgenommen hat. Hierfür sind erste Fördergelder freigegeben worden, und ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt.

Am Samstag und Sonntag fand dann innerhalb der Veranstaltungsreihe »Fantastisches Ruhrgebiet« eine Buchmesse der Kleinverlage im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen statt. Der Besucherandrang war, vorsichtig formuliert, nicht so berühmt, aber dafür hat sich die Gelegenheit ergeben, mit einigen Kollegen ins Gespräch zu kommen, darunter Joachim Körber von der Edition Phantasia und Oliver Graute vom Verlag Feder & Schwert.

Abschluss und Höhepunkt meiner herbstlichen Ausflugsunternehmungen war dann der Trip nach Hamburg vergangenen Mittwoch. Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Hardy Kettlitz besuchte ich die Lesung von Stephen King im dortigen Congress Center, ein Mammutereignis vor über 3000 Zuschauern. Die Lesung selbst war toll, King erwies sich als großartiger Entertainer ohne jegliche Starallüren. Besonders gefreut hat es mich, dass Patrick Niemeyer, Kings Lektor bei Heyne, es mir ermöglicht hat, vor der Lesung in der Garderobe mit King ein paar Worte zu wechseln. Dabei hat der Meister meine Joyland-Übersetzung signiert, und wir haben uns ganz kurz über Buchgestaltung und Kleinverlage unterhalten.

Falls ich der Meinung gewesen sein sollte, nach zahlreichen Conbesuchen und selbst veranstalteten Lesungen mit berühmten Autoren einigermaßen abgebrüht geworden zu sein, was die Begegnung mit Stars betrifft, so wurde ich hier eines Besseren belehrt: Feuchte Hände und beschleunigter Atem waren noch die geringsten Nebenwirkungen, während ich auf die Ankunft des Meisters wartete. Was man auf dem Foto, mit dem ich diesen Eintrag abschließen möchte, hoffentlich nicht allzu sehr sieht ...

© des Fotos 2013 by Karin Dahlke | Heyne Verlagsvertretung (Danke!)

 

2013|11|08  Eine Buchpräsentation ...

fand am 29. Oktober statt, und zwar in der Anhaltischen Landesbibliothek in Dessau, wo das Herausgeber-Duo Maria-Verena Leistner und Ralf Neukirchen ihre Neuausgabe der Gedichtanthologie Bundesblüthen vorstellten, die im September dieses Jahres bei Golkonda erschienen ist.

Vor einem interessierten Publikum wurde der Autorenkreis um Wilhelm Müller vorgestellt sowie über die editorische Herausforderung gesprochen, die ein solches Projekt darstellt. Abgerundet wurde der Abend durch den Vortrag beispielhafter Gedichte.

Rechts im Bild Bernd Leistner, der ein Nachwort zu dem Buch verfasste und zusammen mit seiner Frau für die fünfbändige Ausgabe der Werke von Wilhelm Müller verantwortlich zeichnet, die 1994 im Verlag Mathias Gatza erschienen ist. Derzeit überlegen wir, ob und wie es möglich ist, diese schöne Edition bei Golkonda wieder zugänglich zu machen − auch das eine schöne Folge der Gespräche an diesem Abend.

Zum Schluss gab es Blumen von Frau Martine Kreißler, der Bibliothekarin, die uns nach Dessau eingeladen und sich ganz phantastisch um alles gekümmert hat, und auf diesem Bild deutet sich an, in was für einem tollen Rahmen diese Buchpräsentation stattfand − ein schöneres, angemesseneres Ambiente hätten wir uns nicht wünschen können. Mein Dank geht an alle Beteiligten für das große Engagement, und ich hoffe, dass unsere Klassikerausgaben nach und nach die Aufmerksamkeit finden, die sie meiner unbescheidenen Meinung nach verdient haben.

Alle Fotos sind © 2013 by Hannelore Bernett,
und auch hierfür ganz herzlichen Dank!