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13|10|18  Unveröffentlichte Tagebücher ...

... klingen immer auch ein wenig verrucht, auf jeden Fall machen sie neugierig auf das, was denn da unveröffentlicht sein mag. Einer der größten ungehobenen Schätze in dieser Hinsicht sind die »Tagesblätter« von Karl August Varnhagen von Ense. Die in der Bibliothek der Jagiellonen-Universität in Krakau liegenden Originale werden derzeit von Nikolaus Gatter ausgewertet, die ersten Jahrgänge zur Publikation im Golkonda Verlag vorbereitet.

Nikolaus Gatter, der über Varnhagen promoviert hat, der Varnhagen-Gesellschaft vorsitzt und sich bereits ein halbes Leben mit diesem Autor beschäftigt, wird dieses − von der Kunststiftung NRW geförderte − Projekt am Freitag, den 15. November 2013, in Siegburg vorstellen, und zwar ab 18:30 Uhr im Café des Stadtmuseums.

         

Von Ense und seine Frau, die als Briefschreiberin fast schon legendäre Rahel, werden nächstes Jahr im Frühjahr/Sommer in der ersten Staffel unserer Klassiker-Reihe vertreten sein, und zwar mit dem Buch des Andenkens für ihre Freunde und den Denkwürdigkeiten des eignen Lebens, jeweils mit neuen Einleitungen versehen.

In dieser Klassiker-Reihe bereits erschienen ist ein Gedichtband mit dem Titel Bundesblüthen, herausgegeben von Maria-Verena Leistner und Ralf Neukirchen. Damit wird eine Anthologie erstmals seit ihrer Publikation im Jahre 1816 neu vorgelegt, die Verse von fünf jungen Dichtern versammelt − unter ihnen Wilhelm Hensel und Wilhelm Müller −, deren Gemeinschaftserleben die Teilnahme an den antinapoleonischen Kämpfen der Jahre 1813 bis 1815 war.

Bereits am Dienstag, den 29. Oktober 2013, stellen die Herausgeber dieses Buch ab 19 Uhr in der Anhaltischen Landesbücherei in Dessau vor. Maria-Verena Leistner zeichnete zusammen mit Bernd Leistner auch für die Wilhelm-Müller-Werkausgabe verantwortlich, die 1994 im Verlag Mathias Gatza erschienen ist − es verspricht also ein interessanter Abend zu werden.

Ich werde mich bemühen, bei beiden Veranstaltungen anwesend zu sein, und freue mich, dass unsere Klassiker-Editionen bereits in diesem frühen Stadium auf eine gewisse Resonanz stoßen. Dabei bin ich sehr gespannt, was für ein Publikum sich bei diesen Gelegenheiten einfindet, und hoffe auf weitere tolle Projekte ...

 

13|10|14  Die Frankfurter Buchmesse ...

... ist vorbei, und wir waren nicht dort. Jedenfalls nicht mit einem Stand, denn das ist mir, im Moment jedenfalls noch, eine Nummer zu teuer und aufwändig. Aber immerhin, der gute Denis Scheck hat am ersten Messetag auf der ARD-Lesebühne ein paar schöne Worte über unseren Toptitel Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes von Ted Chiang verloren (»absolut faszinierend« und »sehr, sehr niveauvoll« sei das Buch − nicht übel, oder? Hier in Minute 22 nachzuhören ...)

Bestsellerautor Andreas Eschbach wiederum hat die Messe zum Anlass genommen, auf seiner Homepage eine Seite mit Buchbesprechungen zu starten, auf der er den Roman Flugverbot von Barbara Slawig über den sprichwörtlichen grünen Klee lobt (ich darf etwas ausführlicher zitieren): »Warum habe ich Wow gesagt? Nicht, weil mir hier das noch größere galaktische Imperium vorgesetzt wurde, die noch krassere Gefahr für alles Leben im Universum oder was einem sonst gern so als angeblicher sense of wonder angedreht werden soll, sondern weil das alles eben gerade nicht der Fall war. Ich las eine fiktive Geschichte in einer fiktiven Zukunft, die auf einem Planeten spielte, den man vor sich sah, den man riechen konnte, anfassen, schmecken, eine Geschichte mit Figuren, die wie echte Menschen waren, keine Versatzstücke aus einschlägigen Fernsehserien. Und all das geschrieben in einer fein beobachtenden, nuancierten, genauen Sprache, mit einem Gefühl für Zwischentöne in Beziehungen und Gefühlen, unaufdringlich, lebendig und, soweit das bei Science-Fiction möglich ist, wahrhaftig.« In voller Länge ist das hier nachzulesen.

         

Innerlich bereite ich mich bereits auf die Leipziger Buchmesse im März 2014 vor, denn dort werden wir, zum dritten Mal in Folge, mit einem Stand vertreten sein. Wieder wird es ein nicht unanstrengender Marathonlauf werden, zumindest einen Teil der fürs Frühjahr geplanten Bücher rechtzeitig fertig zu bekommen − derzeit bin ich schon froh, wenn unser Herbstprogramm irgendwann im Laufe des Winters erscheint. Sicherheitshalber habe ich unsere Vorschau mit neuen, etwas realistischeren Terminen versehen: Ich bitte um Geduld. Mir wäre es auch sehr lieb, wenn wir so manches schneller produzieren könnten, aber wenn ich mich zwischen Qualität und Pünktlichkeit entscheiden muss, fällt mir das nicht schwer.

Nur als Beispiel: Bei Maskenhandlungen von Malte S. Sembten sind wir inzwischen beim dritten Cover-Andruck angekommen, will sagen, unsere Gestalterin Ben war mit den ersten beiden Probedrucken nicht zufrieden und hat jedes Mal wieder eine neue Datei in die Druckerei geschickt. So kommt es dann auch, dass sich ein Erscheinungstermin um mehrere Wochen verzögert, aber ich bin mir sicher, es ist den Aufwand wert.

So, ich wende mich jetzt wieder dem Lektorat der letzten Erzählung des Bandes Pol Pots wunderschöne Tochter von Geoff Ryman zu, der Anfang November in den Satz gehen soll, und den vielen anderen großartigen Projekten, die wir noch in der Rückhand haben. Nachdem die Short-Story-Autorin Alice Munro soeben mit dem Nobelpreis für Literatur geadelt wurde, fühlen wir uns auch in unserem Engagement für die Kurzgeschichte bestätigt − und werden das weiter verfolgen ...