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2013|09|21  24 Stunden ...

... hat jeder Tag, und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, es sind zu wenig. Was einer der Gründe ist, warum auf diesem Blog seit rund einem Monat Stillschweigen herrscht: Ich habe schlicht zu viel um die Schlappohren. Das fängt mit meinem »Brotjob« als Übersetzer an (den ich über alles liebe): Nach dem neuen Thriller von Joe R. Lansdale, den ich für Klett-Cotta/Tropen übersetzt habe, dürfte ich Ende kommender Woche mit dem zweiten Jugendbuch von Stefan Bachmann fertig werden (wieder eine wunderschöne Steampunk-Geschichte), das nächstes Jahr bei Diogenes erscheinen wird, und im Oktober ist dann der neue Roman von Neil Gaiman für Lübbe an der Reihe, ein vergleichsweise kurzes Buch, aber sprachlich doch eine Herausforderung.

Nachmittags, wenn ich mit meinem Übersetzerpensum durch bin, stehen dann immer Tätigkeiten für Golkonda an: E-Mails beantworten, Rechnungen schreiben, Kalkulationen machen, Verträge prüfen, Texte lektorieren − eigentlich eine Arbeit ohne Ende. Aber so sehr mir das auch Spaß macht, achte ich meistens darauf, dass der Verlag keine übermäßige Belastung wird, weder für mich, noch für meine Familie und die zahlreichen Mit- und Zuarbeiter »draußen«, die mehr oder minder regelmäßig dafür sorgen, dass Golkonda-Bücher etwas Besonderes sind und aus dem Meer der Kleinverlagsveröffentlichungen herausstechen.

Die Betonung im letzten Absatz liegt auf »meistens«, denn im Moment sind sowohl unsere Designerin Ben als auch unser Setzer Hardy streckenweise genau das, nämlich überlastet. Dagegen etwas zu tun, ist schwierig, denn immer, wenn wir nach Alternativen suchen, nach Möglichkeiten, die Arbeit auf mehreren Schultern zu verteilen, stellen wir [a] fest, dass es sehr wenig Leute gibt, die nicht nur eine entsprechende Begeisterung mitbringen, sondern auch die nötige Kompetenz und die nötigen Umgangsformen, und [b], dass uns die Arbeit an diesem Projekt so viel Spaß macht, dass wir am liebsten überhaupt nichts abgeben würden. Ein Teufelskreis, ich weiß, aber gegen Glückshormone lässt sich nur schwer argumentieren.

         

Und woher stammen diese Glückshormone? Nun, diese Woche sind zum Beispiel wieder zwei Golkonda-Bücher fertig geworden, die unterschiedlicher nicht sein könnten: einmal der neue Lansdale, Blutiges Echo, wieder in einer schönen Übersetzung von Heide Franck und mit einem angemessen musikalisch-gruseligen Cover von Ben, und zum anderen unser erster Klassiker, die Lyrik-Anthologie (yeah!) Bundesblüthen. Wenn ich ein Päckchen aus unserer Druckerei erhalte und weiß, da sind Neuheiten drin, bekomme ich immer noch Herzklopfen − sind sie schön geworden? (Ja.) Stimmt alles? (Fast.) − und freue mich dann wie ein Schneekönig. Mindestens. Was für ein Kick!

Aber bei so vielen Büchern und so vielen Plänen bleiben eben auch Dinge auf der Strecke, Dinge wie Werbung, Pressearbeit, Ausbau des Vertriebs und dergleichen mehr. Immerhin habe ich schon eine Vorstellung, was ich (und eben nicht nur ich) tun kann, um dieses Problem ansatzweise zu lösen. Darüber bei Gelegenheit mehr − hier und jetzt liegt mir vor allem daran, den Leserinnen und Lesern dieses Blogs ans Herz zu legen: Bleiben Sie neugierig auf unsere Bücher, bleiben Sie uns treu, erzählen Sie anderen von Ihren tollen Leseerlebnissen − Mundpropaganda ist das Beste, was einem kleinen Verlag passieren kann. Wir tun von unserer Seite, was wir können (Golkonda-Bücher sind beispielsweise seit zwei Monaten bei beiden marktführenden Großhändlern des deutschsprachigen Buchhandels erhältlich, was es sehr vereinfacht, an sie heranzukommen), aber ohne Unterstützung von außen pfeifen wir nur im Walde. Was auch Spaß machen kann, aber auf Dauer doch eine recht einsame Sache ist ...