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2013-04-19  Quo vadis, Golkonda?

Diese Frage stellen wir uns immer wieder, denn im Unterschied zu Verlagen, deren Primärziel − und das meine ich jetzt völlig wertfrei − in der Kostendeckung oder gar der Gewinnmaximierung liegt, definieren wir uns über die Bücher, die wir machen, das heißt über die möglichst ausgewogene Zusammensetzung unseres Programms. Dabei steht die Phantastik in all ihren Spielarten im Zentrum, was uns jedoch nicht daran hindert, Ausflüge in andere Genres (Krimi!) zu unternehmen oder gar Werke zu publizieren, die sich mit dem schlichten Etikett »Literatur« begnügen.

Von Anfang an hatten Storybände einen großen Stellenwert in unserer Programmplanung. Entgegen der weithin verbreiteten Meinung, Kurzgeschichten ließen sich nicht verkaufen, entwickelt sich dabei Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes von Ted Chiang zu einem veritablen Dauerseller. Was es uns ermöglicht hat, einen zweiten Band dieses großartigen Autors einzuplanen, der unter dem Titel Die Wahrheit vor Augen Ende 2013 erscheinen und alle bisher nicht übersetzten Erzählungen Chiangs enthalten wird.

Ebenfalls in Vorbereitung ist ein Sammelband mit Storys des Kanadiers Geoff Ryman, der SF-Lesern hierzulande möglicherweise dank seines gefeierten Romans The Child Garden (dt. Ein Garten für Kinder) ein Begriff ist. Ryman hat vor allem mit seinen Erzählungen, die in einem zukünftigen Kambodscha spielen, maßgeblichen Einfluss auf Autoren wie Ian McDonald und Paolo Bacigalupi ausgeübt, und es ist längst überfällig, dass diese Geschichten in einer angemessenen Ausgabe vorgelegt werden.

Aber nicht nur innerhalb der Science Fiction gibt es Außergewöhnliches zu entdecken. Der vielleicht beste Autor, der sich in den letzten Jahren im Genre der Horrorliteratur einen Namen gemacht hat, ist Laird Barron. Obwohl seine Erzählungen verraten, dass er in der Nachfolge von Genregrößen wie Arthur Machen und H.P. Lovecraft steht, ist Barron ein durch und durch moderner Schriftsteller, der an Originalität und Geschliffenheit des Stils kaum zu überbieten ist. Jakob Schmidt hat eine Auswahl aus Barrons bisherigem Werk getroffen und wird diese Text auch selbst übersetzen.

So weit der heutige Ausblick auf unser Programm. Demnächst möchte ich über die ersten Sachbücher berichten, die wir in Planung haben, und über eine ganze Reihe von »Klassikern«, denen wir mit sorgfältigen Ausgaben neues Leben einzuhauchen hoffen. Seien Sie gespannt, bleiben Sie uns treu − und lesen Sie vor allem viele Golkonda-Bücher!

 

2013-04-15  Maggie Thatcher ist tot ...

... und wenn sich jemand fragt, was das mit einem kleinen Berliner Phantastik-Verlag zu tun hat: Während meiner prägenden Kinder- und Jugendjahre, als ich so etwas wie ein − möglicherweise bescheidenes − politisches Bewusstsein entwickelte, hießen die Herrscher über die westliche Welt Helmut Kohl, Ronald Reagan und Maggie Thatcher. Dieses reaktionäre Triumvirat zu hassen, war fast schon ein natürlicher Reflex jedes auch nur ansatzweise intelligenten, fühlenden Menschen. »Ich werde auf Eure Gräber spucken« lautet, in dankbarer Anlehnung an Boris Vian, in etwa meine Reaktion auf die Nachricht vom Tod der alten Dame.

Dass ich da nicht der Einzige bin, versteht sich von selbst. Und so wundert es mich nicht, dass ein Golkonda-Autor, ein Schriftsteller von Rang und großer Integrität, das noch um ein Vielfaches deutlicher auf den Punkt bringt. Für den jungen Homosexuellen Hal Duncan war es weit mehr eine Qual, im Heimatland der »Eisernen Lady« aufzuwachsen, als ich mir das auch nur vorzustellen wage. Glücklicherweise verfügt er inzwischen über die reinigende Sprachgewalt, dem Ausdruck zu verleihen, und das tut er auf seinem Blog. Dem ist nichts hinzuzufügen. Good fucking riddance, Maggie. Good fucking riddance.

 

2013-04-07  Eines wachsenden Umfeldes ...

... erfreut sich der Golkonda Verlag in Berlin. Wie unser Autor Frank Böhmert heute Vormittag schon auf seinem Blog äußerst launig berichtete, traf sich vergangenen Freitagabend ein rundes Dutzend Golkondianer − will sagen Autoren, Übersetzer, Lektoren, Korrektoren (und natürlich das Kernteam, Designerin Ben, Hersteller Hardy und meine Wenigkeit) − im Otherland zu einer informellen Runde bei Saft und Bier. Dabei wurde über bereits Geleistetes geplaudert, Künftiges vorgestellt und auch überlegt, wie die großartigen Bücher, die wir gemeinschaftlich produzieren, einem größeren Publikum nahegebracht werden können.

Denn eines der größten Probleme eines Kleinverlages (es gibt deren nicht wenige) ist, niemand wird's wundern, der Mangel an Werbepräsenz, sei es in den Printmedien, sei es im Internet, sei es im Buchhandel vor Ort. Wie schafft man es, potenzielle LeserInnen auf Bücher aufmerksam zu machen, die − so wird es uns jedenfalls immer wieder begeistert zugetragen − etwas Besonderes sind? Gibt es jemanden, der sich mit Buch-PR auskennt und Lust hat, uns zu unterstützen? Ideen sind willkommen.

Der Verleger tut, was er kann: Am Donnerstag, den 18. April, findet um 19:30 Uhr das erste Gatherland statt, ein künftig monatliches Plaudertreff von SF- und Fantasy-LeserInnen, das sich die neuen Otherland-Betreiber haben einfallen lassen. Da werde ich dann unseren Frühjahrsspitzentitel In einer anderen Welt von Jo Walton vorstellen, was besonders gut passt, denn darin kommt ein »SF-Buchclub« vor, der ebendiesem Treffen ein wenig zum Vorbild gedient hat. Um aus dem Otherland-Newsletter zu zitieren: »Für Getränke ist gesorgt, Gesprächsstoff liegt bereit und darf auch gerne mitgebracht werden!« Wer könnte einer solchen Einladung widerstehen?