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2012|10|26  Ein Junge aus der Hölle ...

... ist auf den ersten Blick vielleicht nicht die Idealbesetzung für einen Welterfolg. Dass Hellboy es trotzdem geschafft hat, liegt wohl vor allem an dem unglaublichen erzählerischen und zeichnerischen Talent seines Schöpfers Mike Mignola und − im zweiten Schritt − an der Integrität von Regisseur Guillermo del Toro, der die Abenteuer des roten Dämons auf die Kinoleinwand gezaubert hat. Wir können Hellboy nun einen weiteren Schritt auf seiner faszinierenden Reise begleiten: Soeben ist Medusas Rache erschienen, ein Sammelband mit Erzählungen hochkarätiger angloamerikanischer Phantasik-Autoren, unter ihnen (meine persönlichen Lieblinge) Poppy Z. Brite und Nancy A. Collins.

Diese Storys decken die ganze Bandbreite ab von fesselnd bis gruselig, von rührend bis komisch. Und immer ist der Leser ganz dicht an Hellboy dran − schaut ihm geradezu über die Schulter, wenn er mit immer neuen Spielarten des Unheimlichen konfrontiert wird. Ein besonderes Highlight sind dabei die rund fünfzehn ganzseitigen Illustrationen, die Mike Mignola exklusiv für dieses Buch angefertigt hat! Eindeutig ein Buch für schaurig-schöne Herbstabende. Und wenn möglich, werden wir irgendwann auch die anderen beiden Bände mit Hellboy-Geschichten bringen, die auf Englisch bereits erschienen sind ...

 

2012|10|17  Samuel R. Delany ...

... gehört nicht nur für mich zu den ganz Großen der literarischen Phantastik − die Bandbreite und Qualität seiner Werke ist geradezu atemberaubend. Entsprechend ist es erst einmal ein sehr bescheidener Anfang, den wir in diesen Tagen mit dem Startschuss der Gesammelten Werke in Einzelausgaben wagen. Soben ist Geschichten aus Nimmèrÿa fertig geworden und sollte ab Anfang nächster Woche auch im Buchhandel und Internetz erhältlich sein. Der Auftakt der Nimmèrÿa-Saga dürfte zu den ungewöhnlichsten Fantasy-Werken zählen, die jemals verfasst wurden, und in unserer Zeit geklonter Elfen- und Zwergen-Abenteuer ist dieser Sammelband mit höchst idiosynkratischen Erzählungen auf jeden Fall ein Unikat. Fast müßig zu erwähnen, dass unsere Neuausgabe (in Zusammenarbeit mit der Übersetzerin Annette Charpentier und fast schon einem kleinen Rudel von Helfershelfern) gründlich durchgesehen und ergänzt wurde.

         

Weiter geht's zum Jahreswechsel mit der deutschen Erstausgabe von Dark Reflections, einem eher ruhigen Roman aus dem Jahr 2007 über einen New Yorker Dichter, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Ich möchte dieses Buch ohne Übertreibung als literarisches Kleinod bezeichnen, und auch wenn es keine phantastischen Elemente enthält, dürfte es für Delany-Fans (und die, die es werden wollen) doch eine Entdeckung sein. Mehr zu unserem Werke-Projekt auf der Delany-Hauptseite − ich darf mit dem Wunsch schließen, dass es sich möglichst überall herumspricht, dass nun endlich wieder Bücher dieses wundervollen Schriftstellers auf Deutsch zu haben sind. Spread the word, ladies & gents!

 

2012|10|07  Franz Rottensteiners Zeitschrift ...

... für Science Fiction und Phantastik, der Quarber Merkur, gehört seit Jahren zu meiner Leib- und Magenlektüre, und dass Golkonda in der aktuellen Ausgabe 113 eine so große Resonanz findet, freut mich außerordentlich. Ich kann es mir nicht verkneifen, aus dem Editorial zu zitieren: »ambitonierte SF, vor allem der Kern der SF, die Kurzgeschichte, findet man eigentlich nur mehr bei den Kleinverlagen, etwa bei Wurdack, Shayol und vor allem bei Golkonda, wo wirklich hervorragende Kurzgeschichten verlegt werden.«

         

Darüber hinaus werden unter der Rubrik Seziertisch ausführlichst fünf Golkonda-Bücher besprochen und alle in den höchsten Tönen gelobt. Zu Ted Chiang schreibt Rottensteiner: »Seine Geschichten sind in der Tat beeindruckend ... wirklich ungewöhnliche Texte, deren skurrile, gefinkelte Konkreta und Wendungen den oft zitierten ›sense of wonder‹ evozieren und mythische Kraft ausstrahlen.« Zu Paolo Bacigalupi merkt er an: »Die Geschichten sind gut erzählt, ... weisen stark und differenziert gezeichnete Gestalten und interessante, farbige gesellschaftliche Konstellationen auf.« David Marusek wiederum lobt er mit den Worten: »... ein Kurzgeschichtenband, der gut übersetzt und auch sehr elegant aufgemacht ist. (...) Als Erzählungen sind sie sehr gelungen, reich an Details und geschrieben mit psychologischer Raffinesse und Einsicht.«

         

Aber nicht nur unsere Sammelbände mit preisgekrönten SF-Storys finden Aufmerksamkeit, auch Purpur & Schwarz von K. J. Parker und natürlich Atomvulkan Golkonda von den Strugatzkis werden begeistert rezensiert. Letzteres deswegen »natürlich«, weil Franz Rottensteiner in Zusammenarbeit mit seinem Sohn noch immer als Agent der Strugatzkis tätig ist und als einer der besten Kenner internationaler, auch osteuropäischer Phantastik gilt. Von einem Experten dieses Kalibers geschätzt zu werden, ist uns eine besonders Ehre und vor allem ein Ansporn, auch künftig Bücher zu verlegen, die diesem Ruf gerecht werden.